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Respektloses Deutschland

Es gibt Respektlosigkeiten, die unverzeihlich sind. Dass die aus Afghanistan nach einem zwanzigjährigen Einsatz heimkehrenden deutschen Soldaten weder von der Kanzlerin noch der Bundesverteidigungsministerin offiziell in der Heimat willkommen geheißen wurden, haben die Angehörigen unserer Streitkräfte nicht verdient. 59 deutsche Soldaten kamen in Afghanistan ums Leben, 35 von ihnen wurden im Gefecht oder durch Anschläge getötet.

     Gerade in diesen Tagen, wo der Sinn der Afghanistan-Mission der Nato kritisch diskutiert und die Frage aufgeworfen wird, ob mit dem Truppenabzug das Land nicht den Taliban überlassen wird, wäre die Anwesenheit der Spitzen des Staates nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung und des Dankes, sondern auch eine notwendige politische Demonstration gewesen.

      Wem über Jahrzehnte gesagt wird, er verteidige mit der Freiheit am Hindukusch auch das eigene Land, wer dafür Leib und Leben riskiert, der hat einen Anspruch auf politische Begründungen für den der amerikanischen Terminplanung geschuldeten, überstürzten Abzug. Der Hinweis, pandemiebedingt habe man auf einen großen Empfang verzichten müssen, überzeugt nicht.
Es ging um ein für alle Deutschen wahrnehmbares Signal der Achtung für einen lebensgefährlichen Einsatz.Za40

      Ein Armutszeugnis ist auch die mangelnde Fürsorge für die afghanischen Ortshelfer der Bundeswehr, deren Leben akut gefährdet ist. Während andere Nationen diese, ihre Helfer mit ihren Soldaten ausgeflogen haben, herrscht in Deutschland ein für diese Menschen lebensbedrohendes organisatorisches Wirrwarr. „Wir lassen Euch nicht im Stich“ hatte man diesen Menschen, die angesichts ihrer Hilfestellungen für die Bundeswehr in Todesangst vor den Taliban leben, zugerufen. Bisher verspüren viele Betroffene von diesen Treuebekundungen nichts.

       Für eine Kanzlerin, die sogar den Kontrollverlust in der Flüchtlingskrise in Kauf nahm, um Asylsuchenden zu helfen, sollte es nun Chefsache sein, den afghanischen Ortshelfern die sofortige Ausreise zu ermöglichen und ihnen die Chance für ein neues Leben in Deutschland zu geben.

Quelle: kolumne@zgo.de, Dieter Weirich

 

Wir, die Franzosen, und alle anderen ...

»Mein Junge, das musst du dir merken:
Die Franzosen, das sind unsere Erbfeinde!«

Ich weiß nicht, wie oft er mir das vorgepredigt hat.
Er - das war Onkel Dieter, ein  Mann mit grauen Haaren, bereits 1871 geboren. Er hatte damals in  unserer Straße eine Tischlerei, werkte dort mit einem Angestellten herum und war sehr an Politik interessiert. Ich war damals so etwa zehn, elf Jahre alt und war oft bei ihm zu Gast. In seiner Werkstatt roch es immer so angenehm nach frischem Holz, Beize und anderen Zusätzen.

 Und Onkel Dieter konnte es nicht lassen - er musste mir immer seine Ansichten brühwarm erklären. Und bei einem Jungen meines Alters, der zudem gerade als Pimpf in das Jungvolk der Hitlerjugend aufgenommen worden war, fielen seine Worte damals auf fruchtbaren Boden! Was hat er mir alles erzählt - und nicht alles waren solche Döntjes, die man später schnellstens wieder vergessen musste!

 Ich fragte ihn Löcher in den Bauch - und er gab mir bereitwillig Antwort auf alle meine Fragen - auch wenn sie meist so braun gefärbt waren, wie sein Tischlerleim!

 Ich weiß noch, dass ich ihm  einmal sagte: Ich begreife das nicht - erben kann man ja wohl Haus und Hof und Geld und alles, was damit zusammenhängt. Aber Hass? Wie geht das denn, fragte ich ihn?

 »Ja - nun, das ist nun  mal so«, anders konnte er darauf wohl nicht antworten; und dann fing er an zu erzählen über den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und dann - über 1914, den er erlitten hatte und den  Krieg, den ich gerade miterlebte, die Weltkriege hatten es ihm angetan. Er selbst hatte wohl den Weltkrieg 1914/18 mitgekämpft, er erzählte immer von der Somme-Schlacht!

 Irgendwann wurde mir klar, dass ihm die Mär von den Franzosen auch nur eingeprägt wurde, zu Kaiser Wilhelm’s II. Zeiten. Dann im 1.Weltkrieg und schließlich von der Nazipropaganda!
Und mir wurde klar, dass die Worte
Feindschaft und Krieg dicht beieinander wohnen! Und was der »Krieg« bedeutet, hatte ich selbst am eigenen Leib erlebt.

 Vaters Begräbnis auf dem Ehrenfriedhof, die eigene Flucht aus der Heimat, Schiffsuntergänge, Panzerangriffe, Bomben auf unser Haus, all das hatte mir gezeigt, dass alle Bezeugungen von der sogenannten »Blut und Ehre« nichts weiter waren als leeres Gefasel von Menschen, die nichts weiter wollten, als ihre eigene Macht begründen und zu erhalten!

 In dem Alter - nach dem letzten Krieg - fing ich an, mich für Fußball zu interessieren, aber auch für die Politik! Und so bekam ich schnell mit, dass sich in Westeuropa etwas Besonderes anbahnte: Zwischen Frankreich und Deutschland war nicht bloß der Friede eingekehrt, nein, man war dichter zusammengerückt, man vertrug sich, trotz aller geschichtlichen Gegensätze.

 Die EWG wurde gegründet, weil man sicher war,dass man Frieden hält, wenn man miteinander arbeitet, Handel treibt und Kultur austauscht!
Und dass es am Ende immer dann Krieg gibt, wenn jedermann nur an sich selber denkt und nicht auch an den Nachbarn. Am Ende stand dann die EU, die europäische Gemeinschaft. Aber das war - und ist es immer noch - eine ganz schwierige Angelegenheit.
Aber im Vertrag von Lissabon 2009 war das Große Los gewonnen:

»Die Europäische Union.« Alle, die ihr angehören, haben den Vertrag über die Grundrechte der Menschen unterschrieben, die in der EU leben. Welch ein Tag, miteinander   in Frieden leben, anstelle von Streit und Krieg.

 

 Nichts aber ist so, als dass auch hier nicht ein Körnchen des Unfriedens lauert! So auch hier. Da sind ein paar Leute, wo der Größte immer noch größer werden will. Wenn ein Gesetz oder Verordnung für alle Staaten gelten soll, dann müssen auch alle dafür sein. Das ist nun mal das Recht überall. Ist aber jemand dagegen, dann wird nichts daraus.

 In den letzten Jahren waren Ungarn und auch Polen dafür bekannt, dass sie aus der Reihe tanzten. Meist geschah es dann, wenn man ihnen auf die Finger sehen wollte, weil sie sich nicht so recht an die Werte-Ordnungen der EU halten und immer ein paar Rosinen mehr aus dem großen Kuchen haben wollen.

 Es ist schon eine traurige Sache, dass die EU immer nur nachgegeben hat, um Frieden zu halten. Das macht die EU zu einem großen Schiff ohne Steuer, man sieht doch, wohin solch ein Verhalten führen kann. Der ungarische Staatspräsident Viktor Orban dreht lustig an der Schraube gegen sein eigenes Volk; und die Regierungen von Polen und Slowenien stützen ihn, wenn es ihnen gerade passt.

 Alle drei nehmen gar nicht mehr so wichtig, was die EU-Werteregeln eigentlich untersagen. Radio, Zeitungen, Fernsehen werden immer mehr an die Leine genommen und zensiert. Richter, die nicht so arbeiten, wie die Machthaber es wollen, werden einfach kaltgestellt. Das Ganze ist so schief gelaufen, dass »Reporter ohne Grenzen« den Viktor Orban in der letzten Woche weltweit als »Feind der Pressefreiheit nennen darf!« Man muss sich das einmal vorstellen.

 Ich denke, wer sich nicht an die beschlossenen EU-Werteregeln hält, hat bei uns in der EU nichts verloren. °Punktum!° Und darum muss der EU-Vertrag noch einmal an dieser Stelle auf den Tisch! Ansonsten sehe ich den Tag kommen, wo es mit der EU abwärts geht; weil die Egoisten und Populisten das Sagen haben.

 Wenn mein alter Onkel Dieter nochmal die Augen öffnen könnte, würde er erstaunt fragen: »Stimmt das wirklich, dass die Erbfeinde Deutschland und Frankreich seit 76 Jahren keinen Krieg mehr miteinander hatten?«

 Und sein Rat wäre, da bin ich mir ganz sicher: »Wenn das so ist, dann haltet bloß an der EU fest! Was zu verbessern ist - verbessert es. Aber haltet zusammen!«

 

EUFD

Mandelas Alptraum

Was ist aus Nelson Mandelas Traum von einer friedlichen Regenbogennation geworden? Zwar gab es schon immer Gewaltexzesse gegen Afrikaner aus anderen Teilen des Kontinents. Aber nun droht ein neuer Alptraum. Brennende Blockaden, Schüsse, Chaos und machtlose Polizisten: In Südafrikas Wirtschaftszentrum rund um Johannesburg sowie in der östlichen Kwa-Zulu-Natal-Provinz tobt seit Tagen die Gewalt.

    Es gibt Tote und Verletzte, brennende Einkaufszentren und blockierte Autobahnen und Fernstraßen. Sie bringen wichtige Logistikketten, aber auch Busse und Bahnen in Afrikas stärkster Wirtschaftsnation zum Stillstand.

 Der Präsident kämpft dabei an mehreren Fronten: Einerseits muss er die steigenden Infektionszahlen bei der dritten Corona-Infektionswelle stoppen, und andererseits muss er seinen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) reformieren.
Dieser war unter der Amtszeit seines Vorgängers Jacob Zuma zunehmend im Klientel- und Günstlingssumpf versunken. Dass Zuma unter schwerem Korruptionsverdacht inhaftiert wurde, galt daher als Meilenstein für die junge Demokratie.

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    Aber die neue Gewaltbereitschaft der Straße schockiert. Am Montagabend erwähnte Präsident Cyril Ramaphosa in seiner Rede an die Nation insgesamt zehn Tote und vier verletzte Polizisten - bis zum Dienstagnachmittag lag die Zahl bereits bei über 40 Toten.

    Zudem trifft die Corona-Krise das Land besonders hart. Eine der härtesten Ausgangssperren der Welt hat die Wirtschaftskrise aus der Vor-Pandemie-Zeit am Kap noch verschärft. Industrie und die Tourismusbranche  ächzen unter Restriktionen. Viele Betriebe können nicht mehr weiter und geben auf. Die, die durchhalten, werden nun mit neuen Sorgen belastet: Ladeneinrichtungen zerstört, Waren geplündert, kein Geld mehr in der Kasse. Zahlreiche Arbeitsplätze fallen einfach weg.

    Militär und Polizei sollen die Sicherheit jetzt  durchsetzen. Eine fast nicht zu lösende Aufgabe. Und sie missfällt dem populistischen EFF-Politiker Julius Malema. Er gießt Öl in das aufflackernde Feuer und kündigte für diesen Fall der Mobilisierung massive Proteste seiner Anhänger an. Wer wird das Feuer löschen?

 

 


INHALT

Respektloses Deutschland
Wir, die Franzosen und alle anderen
Mandelas Alptraum
20.Juli 1944  neu_1

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Ein Tag wie jeder andere auch, für manche Menschen vielleicht ein besonderer?
Der 20.Juli 1944 war ein Donnerstag. Auch ein Tag , wie jeder andere - und doch ein besonderer, denn für eine Reihe von Menschen endete dieser Tag mit ihrem Tod durch Erschießen.
Der Grund? Sie wollten das Volk von ihrem Diktator befreien, der mit seinem Größenwahn Millionen von Opfern gekostet hat!

Das Attentat misslang, über die Gründe dafür ist genug spekuliert worden. Die Bilanz des gescheiterten Attentats lässt sich in ihrer Tragweite kaum beziffern.
Nach dem 20. Juli 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sterben fast ebenso viele Menschen wie in den ganzen Kriegsjahren zuvor. Mit den Attentatsplänen scheitert auch die letzte Gelegenheit, dem Morden in Konzentrations- und Vernichtungslagern, dem Sterben an den Fronten, der Zerstörung durch Bombenangriffe und den großen Fluchtbewegungen Einhalt zu gebieten.

Und heute? Alles vergessen, alles nur ein Pünktchen im großen Buch der Deutschen Geschichte?

 

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20.Juli 2021

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