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ISBN 13 979-8646316531

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ISBN 13 978-1549968211

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ISBN 13 979-8590494729

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Die kleine grüne Flasche

Ich glaube, dass ich einmal vor vielen Jahren außergewöhnlich schön war. Grün, ein wunderbares Grün, das an die Dünung der Ägäis erinnerte. Mein runder Körper war so ebenmäßig geformt, dass es ein Lustgewinn schien, ihn zu berühren und zu streicheln.

    In einer früheren Zeit hatte ich einem fantastischen roten Assyrtiko von der Insel Santorini als Behältnis gedient, einem vollmundigen Getränk, dessen Trauben an den Hängen der Insel wuchsen. Die Häuser dieses ein wenig entfernt liegenden Ortes Oia schimmerten in der abendlichen Sonne wie zartrosa angehauchte Perlen, die flachen hellen Dächer verbreiteten ein anheimelndes Gefühl von Wärme und Zufriedenheit. Ich stand in einem der kleinen Häuser als smaragdgrünes Dekorationsstück auf einer Fensterbank - es war einfach wunderschön, ich fühlte mich behaglich und wohl.

    Irgendwann an einem herrlichen Sommertag wurde ich völlig unerwartet von Eleni, der jüngsten Tochter des Hauses überrascht. Ich war etwas verwirrt, denn sie schrieb ein paar Worte auf einen Zettel, rollte ihn zusammen und versenkte ihn dann in mir. Sie verschloss mich danach fest mit einem Korken, lief hinauf zu einer Klippe und warf mich weit hinein in die weiße Gischt der blauen See. So wurde ich unerwartet auf eine Reise geschickt, die mich lange herumtreiben würde.

 

Zimmer ohne Aussicht

Diese Dunkelheit erschien mir völlig schwarz. Kann man sich vorstellen, was wirklich schwarz ist? Nein, niemand kennt diese Farbe Schwarz wirklich. Man kann sie nicht sehen, sie kann nur erlebt werden! Gewiss, völlige Finsternis erscheint schwarz, sehr ähnlich diesem Fehlen an Farbe, dennoch bleibt es auch in finstersten Nächten immer russfarben, dämmergrau in der Welt ›Übertage‹.

    Die Schwärze jedoch, die hier eingetreten war, schien das vollkommene Nichts zu sein, der finsterste Zustand, den eine Umgebung annehmen kann. Da war kein Schatten, keine Silhouette eines Gegenstands, da war nicht einmal eine Ahnung von etwas Vorhandenem. Das vollkommene »Nichts« hatte sich aufgemacht, um mich, den jungen Bergmann an diesem Ort festzuhalten. Es hatte mich eingefügt in ein Mauerwerk von Stein und Kohle, ohne dass ich dessen Konsistenz annahm.

     Dieser Istzustand machte mich nun zu einem Faktum totaler Abhängigkeit, ohne Möglichkeit zu einer Änderung des Zustands. Ich lebte, zweifellos, gleichwohl schien mein Körper dazu verurteilt, sich in dieses Gefüge von Kohle, Steinen, Holz und Metallteilen eingliedern zu lassen! Musste ich das hinnehmen? Mein Herz sagte mir, dass ich ruhig bleiben müsse, während mein Verstand alle möglichen Situationen durchspielte, die sich dadurch ergaben, dass ich nichts tun konnte, um meine Lage zu ändern.

 

The little green bottle

Jérôme had a semester break. Finally, it was also high time to take a little break from his studies. He felt downright burned out.

Grand-Mère had advised him to come to her place during the vacations and let his wings dry in the sun for some time. So he had been staying here in 'Saintes-Maries-de-la-Mer' with his grandmother for several days now. He felt very much at home here. Already as a child he loved the hours at the sea without stress and rush. Here, on the edge of the Camargue, the world was still in order, here he was still human.

 Jérôme loved the morning walks on the beach; the silence, where only the sound of the sea was audible, made his heart sing. The view of the vastness of the sea gave a sense of the infinity of creation. Even with a gray sky, cloudy and rain-grey, the charisma of this landscape could compete with all tropical beauties without any limitation.

 That morning, Jérôme was up early. Grand-merè was waiting for him later with the coffee. So he jogged cheerfully along the beach.

In a good mood, he was looking forward to the day when he would later ride his bike along the coast for the nearly 15 km to the 'Phare de la Gacholle'. This old lighthouse had become the real landmark of Saintes-Maries-de-la-Mer.

 


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Einsichten

Es wird auch noch
andere Tage geben,
an denen Sonnenschein
die Erde küsst.
Es werden auch noch andere Menschen leben,
wenn du schon
 lange nicht mehr bist.

Dein Gestern war -
und ist vorbei.
Zwar hatte es dir
viel gegeben,
wie schön es auch
gewesen sei,
ab heute ist es dein
altes Leben -vorbei!

Mit ihren Kindern
hat die Zeit
nun mal nicht
unbedingt Erbarmen,
sie fragt nicht
nach Vergangenheit,
hält heut die Zukunft
in den Armen.

Es wird auch noch
 andere Tage geben,
an denen Regen
auf die schöne Erde fällt.
Denk dran: Wer stürzt,
 kann sich erheben!
Auch schlechtes Wetter
 braucht die Welt.

 

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ISBN 13 978-1718104426

10,16 €

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